Afrikanischer Fettschwanzgecko

Geckos · Gattung: Hemitheconyx

Afrikanischer Fettschwanzgecko

Anfänger

Hemitheconyx caudicinctus

Der Afrikanische Fettschwanzgecko (Hemitheconyx caudicinctus) ist ein bodenbewohnender Lidgecko aus den Savannen und Trockenwäldern Westafrikas. Er ist mit dem Leopardgecko verwandt, bleibt aber etwas kleiner und ist ruhiger und scheuer. Er braucht zudem eine höhere Luftfeuchtigkeit als sein bekannter Verwandter. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und hat keine Haftlamellen, klettert also kaum. Seine Fettreserven speichert er im dicken Schwanz. Die Art gilt als robust und langlebig und lässt sich gut nachziehen. Sie eignet sich daher für Einsteiger, die ein ruhiges Beobachtungstier suchen und auf eine gute Feuchtigkeitsstruktur im Terrarium achten. Nachzuchttiere sind Wildfängen klar vorzuziehen.

Herkunft
Westafrika
Aktivitätszeit
Dämmerungs-/nachtaktiv
Winterstarre
Nein
Winterstarre Details
Keine echte Winterstarre. Zur Zuchtvorbereitung wird häufig eine 6-8-wöchige Ruhephase mit leicht abgesenkten Temperaturen und verkürzter Beleuchtungsdauer eingelegt.
Sozialverhalten
Männchen sind untereinander territorial und dürfen nicht zusammen gehalten werden. Möglich sind Einzelhaltung, ein Paar oder ein Männchen mit zwei Weibchen in ausreichend großem Terrarium.

Biologie & Merkmale

Gesamtlänge
18-25 cm
Zucht möglich
Ja
Lebenserwartung
15–20 Jahre

Terrarium & Haltung

Temperatur
26-30 °C
Luftfeuchte
50-70 %
Sonnenplatz
30-33 °C
Beleuchtung
Empfohlen
Mindestgröße Terrarium
80x40x40
Bodengrund
Erde-Sand-Gemisch (z. B. Kokoshumus mit Sand), in einem Bereich leicht feucht gehalten

Ernährung & Pflege

Fütterungshinweise
Lebende Insekten wie Heimchen, Grillen, Schaben und Heuschrecken, mit Calcium und Vitamin D3 bestäubt. Jungtiere täglich bis jeden zweiten Tag, adulte Tiere 2-3× pro Woche.

Haltung im Detail

Herkunft und Lebensweise

Hemitheconyx caudicinctus lebt in einem breiten Gürtel Westafrikas, vom Senegal bis nach Kamerun. Sein Lebensraum sind Trocken- und Feuchtsavannen, lichte Wälder und Übergangszonen. Dort verbringt er den Tag in Erdlöchern, unter Steinen, in Termitenbauten oder unter Totholz. In diesen Verstecken ist das Mikroklima deutlich feuchter und kühler als an der Oberfläche. Diesen Punkt übersehen viele Halter, die Fettschwanzgeckos wie Leopardgeckos als reine Wüstentiere halten.

Die Tiere werden in der Dämmerung aktiv und jagen nachts am Boden nach Insekten und Spinnen. Wie alle Lidgeckos (Eublepharidae) besitzen sie bewegliche Augenlider und keine Haftlamellen. Sie können also nicht an Glas klettern, graben aber gelegentlich. Im Herkunftsgebiet gibt es ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten. In der Trockenzeit zehren die Tiere von den Fettreserven im Schwanz.

Adulte Tiere erreichen etwa 18–25 cm Gesamtlänge. Männchen sind meist kräftiger, haben einen breiteren Kopf und deutliche Präanalporen. Hinter der Kloake sitzen bei ihnen zudem sichtbare Hemipenistaschen. Bei guter Haltung werden 15-20 Jahre regelmäßig erreicht.

Terrarium und Einrichtung

Da die Art bodenlebend ist, zählt die Grundfläche mehr als die Höhe. Für ein Einzeltier sind 60×40×40 cm vertretbar. Für ein Paar oder ein Trio (ein Männchen, zwei Weibchen) sollten es mindestens 80×40×40 cm sein. Größere Becken erleichtern ein sauberes Temperaturgefälle. Geeignet sind Glasterrarien mit Frontbelüftung oder Holzterrarien mit ausreichender Lüftung. Die Lüftung soll Staunässe verhindern, darf aber die Feuchtigkeit nicht vollständig entweichen lassen.

Als Bodengrund eignet sich ein grabfähiges Erde-Sand-Gemisch, etwa Kokoshumus mit Sandanteil. Es soll überwiegend trocken sein und in einer Ecke leicht feucht gehalten werden. Reiner feiner Sand ist ungeeignet, weil er die nötige Restfeuchte nicht hält. Ebenso ungeeignet sind Calciumsand und andere verdauliche Streuprodukte.

Zur Pflicht gehören mindestens drei Verstecke:

  • Warmes Versteck: über dem Wärmebereich.
  • Kühles Versteck: auf der Gegenseite.
  • Feuchtes Versteck: mit feuchtem Moos oder Substrat, zum Beispiel eine Box mit Einschlupfloch oder eine eingegrabene Korkröhre.

Das feuchte Versteck ist beim Fettschwanzgecko wichtiger als beim Leopardgecko. Es unterstützt die Häutung und dient als Rückzugsort. Flache Steinaufbauten, Korkrinde, Wurzeln und einige robuste Pflanzen oder Kunstpflanzen strukturieren die Fläche. Steinaufbauten müssen fest auf dem Boden stehen und dürfen nicht untergraben werden können. Ein flacher Wassernapf steht dauerhaft bereit.

Klima: Temperatur, Feuchtigkeit, Licht

Temperatur: Tagsüber liegen die Lufttemperaturen bei 26–30 °C. Am Warmplatz erreicht der Boden lokal 30–33 °C. Die Wärme kommt am besten von oben, etwa über einen Wärmespot, der Steinplatten aufheizt. Eine Heizmatte außen unter einem Teil des Bodens ist ebenfalls möglich, aber nur mit Thermostat. Nachts darf die Temperatur auf 20–24 °C fallen. Diese Absenkung ist erwünscht. Die kühle Seite sollte tagsüber nicht über 26 °C steigen, damit die Tiere ausweichen können. Gemessen wird mit einem Digitalthermometer, am Boden zusätzlich mit einem Infrarotthermometer.

Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchte liegt bei 50–70 %. Im feuchten Versteck ist sie deutlich höher. Erreicht wird das durch leichtes abendliches Besprühen eines Teilbereichs und durch das feucht gehaltene Substrat in einer Ecke. Das Terrarium darf dabei nicht dauerhaft nass sein. Staunässe und Schimmel führen zu Haut- und Atemwegsproblemen.

Licht: Die Beleuchtung erfolgt tagsüber 12–14 Stunden, in der Ruhephase kürzer. Sie gibt einen klaren Tag-Nacht-Rhythmus vor und liefert über den Spot die Wärme. Eine schwache UVB-Quelle wird empfohlen. Sie ersetzt jedoch nicht die Vitamin-D3-Gabe über das Futter. Bei einer UVB-Lampe braucht es genug schattige Bereiche, weil die nachtaktiven Tiere lichtempfindlich sind.

Fütterung

Fettschwanzgeckos fressen ausschließlich lebende Insekten. Geeignet sind Heimchen, Grillen, Steppengrillen, Schaben und Heuschrecken, bei Jungtieren in passender Größe. Das Futtertier sollte nicht größer sein als der Abstand zwischen den Augen des Geckos. Mehlwürmer und Zophobas eignen sich allenfalls als gelegentliche Ergänzung, da sie fettreich sind und einen ungünstigen Calcium-Phosphor-Wert haben. Wachsmaden gibt es nur ausnahmsweise, etwa nach der Eiablage.

Jungtiere werden täglich oder jeden zweiten Tag gefüttert, adulte Tiere zwei- bis dreimal pro Woche. Die Futtertiere werden mit einem Calciumpräparat bestäubt, etwa einmal pro Woche mit einem Mineral-Vitamin-Präparat mit D3. Zusätzlich kann ein kleines Schälchen mit reinem Calciumpulver im Terrarium stehen. Futtertiere sollten vorher mit Gemüse und Mineralfutter gut ernährt werden (Gutloading).

Der Schwanz ist der beste Gesundheitsanzeiger. Ein kräftiger, dicker Schwanz zeigt gute Reserven. Ein dünner, eingefallener Schwanz ist ein Warnzeichen und sollte tierärztlich abgeklärt werden. Überfütterung kommt ebenfalls vor: Fettpolster in den Achseln sprechen für zu häufige oder zu fettreiche Fütterung.

Eingewöhnung und Wachstum

Neue Tiere kommen zunächst einzeln in ein schlicht eingerichtetes Quarantänebecken. Dort bleiben sie mehrere Wochen, in denen möglichst eine Kotprobe untersucht wird. Lidgeckos können Kryptosporidien und Flagellaten tragen, die für Mitbewohner gefährlich sind. In den ersten Tagen wird das Tier in Ruhe gelassen und nicht angefasst. Futter wird erst nach zwei bis drei Tagen angeboten. Futterverweigerung in der ersten Woche ist bei dieser scheuen Art nicht ungewöhnlich.

Jungtiere schlüpfen mit etwa 7–9 cm und einer auffälligen Bänderung. Sie wachsen in ein bis zwei Jahren zur Adultgröße heran. Die Geschlechtsreife tritt meist nach etwa einem Jahr ein. Weibchen sollten erst mit ausreichend Gewicht und frühestens im zweiten Lebensjahr verpaart werden. Häutungen erfolgen bei Jungtieren alle paar Wochen, bei Adulten seltener. Die alte Haut fressen die Tiere meist selbst. Hautreste an Zehen und Schwanzspitze werden kontrolliert, weil sie sonst abschnüren können.

Beim Umgang ist Zurückhaltung geboten. Die Tiere lassen sich zwar handhaben, sind aber keine Kuscheltiere. Niemals dürfen sie am Schwanz gegriffen werden: Er wird bei Gefahr abgeworfen. Der nachwachsende Schwanz ist kürzer, rundlicher und anders gefärbt.

Typische Anfängerfehler

  • Haltung wie ein Leopardgecko: Zu trocken und zu heiß gehalten, bekommen Fettschwanzgeckos Häutungsprobleme und dehydrieren.
  • Kein feuchtes Versteck: Das ist die häufigste Ursache für Hautreste an Zehen.
  • Zwei Männchen zusammen: Das führt zu Beißereien bis hin zu schweren Verletzungen.
  • Heizmatte ohne Thermostat: Es besteht Verbrennungsgefahr, weil die Tiere sich auf warme Flächen legen.
  • Loser Sand oder Calciumsand: Beim Fressen aufgenommen, kann er zu Verstopfungen führen.
  • Fehlende Supplementierung: Ohne Calcium und D3 droht Rachitis (metabolische Knochenerkrankung), besonders bei Jungtieren und legenden Weibchen.
  • Futterbrocken zu groß oder einseitig: Etwa nur Mehlwürmer.
  • Keine Quarantäne: Parasiten werden in bestehende Bestände eingeschleppt.
  • Schwanz als Griff: Der Schwanz wird abgeworfen und die Fettreserve geht verloren.

Besonderheiten dieser Art

Der Fettschwanzgecko ist eine der wenigen afrikanischen Lidgecko-Arten, die regelmäßig nachgezogen werden. Weibchen legen in der Saison mehrere Gelege mit meist zwei Eiern. Die Eier werden bei etwa 28–31 °C gezeitigt. Wie bei verwandten Lidgeckos bestimmt die Inkubationstemperatur das Geschlecht der Jungtiere. Für die Eiablage braucht das Weibchen eine feuchte Legebox, etwa mit Vermiculite oder Kokoshumus.

In der Terraristik gibt es inzwischen zahlreiche gezüchtete Farbvarianten. Bei einzelnen Linien werden Zusammenhänge zwischen Farbgenetik und gesundheitlichen Auffälligkeiten diskutiert. Die Herkunft von Zuchttieren sollte daher bekannt sein.

Wildfänge aus Westafrika sind häufig mit Parasiten belastet und gewöhnen sich schlechter ein. Nachzuchten sind die bessere Wahl. Insgesamt ist die Art ruhiger und weniger schaufreudig als der Leopardgecko. Dafür ist sie langlebig und bei stimmigem Feuchtemanagement ausgesprochen unkompliziert.

Alle Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Haltungswerte sind Richtwerte aus der Praxis, kein Ersatz für eigene Recherche. Rechtliche Angaben zu Artenschutz und Meldepflichten bitte bei der zuständigen Behörde prüfen.